26.04.2009, 21:27 Uhr

Ökostrom: „Ein Wechsel ist so einfach“.

23 Jahre nach Tschernobyl: Laufens Grüne werben für Ausstieg und Umstieg   Laufen (höf). 25.000 Menschen kamen ums Leben, zehntausende sind schwer erkrankt. Am 26. April 1986 explodierte der Reaktor im Ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl. Es war der folgenschwerste Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung von Kernenergie. Weite Teile Europas, insbesondere auch das Berchtesgadener Land, wurden damals verstrahlt. Laufens Grüne nahmen den Jahrestag zum Anlass, um gegen Atomenergie zu argumentieren und für erneuerbare Energien zu werben.

„Eigentlich“, sagt Franz Eder, „eigentlich müsste das was wir hier erzählen jeder wissen; jeder hat das schon dutzendfach gehört.“ Weil dem nicht so ist, wird der Kreisvorsitzende nicht müde, gegen Atomenergie zu argumentieren. Etwa gegen das „Märchen“, sie sei billiger als anders erzeugter Strom. Mit mehr als 100 Milliarden sei Atomkraft bisher allein in Deutschland subventioniert worden, und genieße immer noch Steuervorteile. Keine Versicherung sei bereit, das Risiko zu übernehmen. Die Frage der Endlagerung ist weltweit ungelöst. Inzwischen sei die „neueste Masche“ der Befürworter: Mit Atomkraft ließe sich der Klimawandel bekämpfen. „Nichts ist falscher als das: über die gesamte Produktions- und Entsorgungskette fallen erhebliche CO2-Mengen an.“ Und schließlich: „Atomenergie macht weltweit gerade mal zwei Prozent der Energieversorgung aus. Ich müsste also innerhalb kurzer Zeit tausende neue Meiler bauen.“

Laufens Grüne geht es an diesem sonnigen Vormittag auf dem Marienplatz aber in erster Linie um Werbung für Ökostrom. „Ein Wechsel ist so einfach“, betont Eder. Er selbst hat vor zwei Jahren einen Anbieter gewählt, der Strom aus erneuerbaren Energien verkauft, und zahlt jetzt sogar weniger als vorher im gängigen Tarif eines Großkonzerns. Er empfiehlt einen Blick ins Internet unter http://www.atomausstieg-selber-machen.de/.  Es genügt meist, eine Karte auszufüllen, alles weitere regelt der neue Lieferant. „Natürlich ist Stromsparen das A und O, und es muss an erster Stelle stehen“, sagt Eder, „aber je mehr Menschen wechseln, desto mehr alternative Anlagen werden gebaut.“ Nebenbei könne man damit den Markt öffnen, Monopole verhindern, und dadurch auch günstigere Preise bekommen.

Als 2. Bürgermeister seiner Heimatstadt blickt Eder auch auf die heimische Region: „Es ist so viel Platz auf den Dächern. Das Potential ist ungeheuer.“ Gerade in dem wirtschafts- und steuerschwachen Landkreis BGL wäre hier viel zu gewinnen. Er ist immer noch verärgert darüber, dass der Kreistag mehrheitlich einen Grünen-Antrag abgelehnt hat, der die „Förderung der Solarenergie als eine wichtige Aufgabe“ der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft definiert hätte. „Es ist doch absurd. Wir jammern über die schlecht Situation und lehnen dann so etwas ab.“

Die allermeisten Fachleute seien davon überzeugt, dass der selbst erzeugte Strom in wenigen Jahren billiger sein werde, als der aus Großkraftwerken. „Also: auch wenn die Einspeisevergütung ausläuft, verdiene ich meiner Anlage auf dem Hausdach weiterhin Geld.“

 

Von: höf

Bild1: Sonnenschein und Sonnenenergie am Laufener Marienplatz (von links): Stadtrat Georg Linner, zwei Interessierte, 2. Bürgermeister Franz Eder, Stadtrat Herbert Fial, Grünen-Ortsvorsitzender Christian Demmelmeier.

Kategorie: Laufen, Energie, Nachhaltigkeit
 

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